3.000

Nein, keine Angst, ich habe jetzt nicht 3.000 Kilo abgenommen! 😉

Hallo zunächst einmal!

Mein letzter Blog-Eintrag ist schon wieder ziemlich lange her, aber irgendwie gibt es in letzter Zeit nicht viel zu schreiben. Oder zumindest nicht viel, was hier irgendwie in den Rahmen meines Blogs passen würde.

Ich versuche seit ungefähr 2 Wochen komplett ohne Kalorienzählen über die Runden zu kommen. Bisher funktioniert das recht gut. Zumindest bin ich noch immer bei ca. 92 kg. An einem Tag mal 91,x, am anderen Tag zeigt die Waage auch schon 93,x an, aber an die Sprünge bin ich ja inzwischen gewöhnt. Damit bin ich übrigens immer noch lt. der allgemeinen BMI-Bewertung deutlich übergewichtig, aber ich möchte trotzdem nicht mehr 8 kg abnehmen, nur um der Wissenschaft genüge zu tun. Ich gefalle mir auch so ganz gut … 🙂

Ich versuche weiterhin, mich so viel wie möglich zu bewegen, wenn ich auch zugeben muss, dass die zurückgelegten Strecken in manchen Wochen eher dürftig sind. Andererseits ist es ja auch nicht Standard, jeden Tag durch die Gegend zu rennen, wie ich das zeitweise getan habe. Mein Leben scheint sich quasi wieder zu „normalisieren“.

Trotzdem gibt es ein „Jubiläum“: An diesem Wochenende habe ich die titelgebenden 3.000km voll gemacht. Genauer gesagt sind es mit dem heutigen Tage 3.008,9km, die ich in den vergangen 27 Monaten zurückgelegt habe und zwar – wie mir mein Telefon sagt – bei 619 Aktivitäten, wobei die letzte Zahl mit Vorsicht zu genießen ist. Oft ist mir gerade bei längeren Strecken die App abgestürzt und so habe ich teilweise bei einem Spaziergang bzw. einer Wanderung drei oder vier mal neu gestartet.

Aber darauf kommt es ja auch nicht an. Stolz bin ich auf die 3.000km schon, auch wenn mir das jetzt so im Nachhinein gar nicht mehr als sooo viel erscheint. Ist  es natürlich aber doch – zumindest wenn ich bedenke, dass ich diese Strecke vor Abnahmebeginn vermutlich in 10 Jahren nicht geschafft hätte.

In den nächsten Wochen und Monaten werde ich wohl – wie in den beiden Jahren zuvor – wieder mehr schwimmen gehen. Lieber Wasser komplett drumherum als nur von oben oder nur von unten … 😉

Ich wünsche euch allen eine schöne Zeit und wenn es etwas neues zu vermelden gibt, lasse ich wieder von mir hören!

Euer
Holger

2016-09_02kl

Du kannst nicht immer 17 sein …

Hallo ihr Lieben!

Nach laaanger Zeit mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Ja, mich gibt es noch und mein Gewicht pendelt immer noch so zwischen 92 und 94 kg. Irgendwie kriege ich es hin, obwohl ich manchmal das Gefühl habe, mir deutlich zu viel zu gönnen, aber so lange die Waage nicht böse guckt …

„Du kannst nicht immer 17 sein“ ist ein typischer 70er-Jahre-Schlager, den unsere Bewohner – zumindest die, mit denen ich seit Januar einmal in der Woche singe – besonders mögen, obwohl sich alle davon sowohl von den 17 als auch von den ebenfalls im Text erwähnten 70 Jahren schon länger entfernt haben.

Als sich mir das Lied dieser Tage einmal wieder im Hirn festgesetzt hatte, habe ich darüber nachgedacht, dass ich wohl ein untypisches siebzehntes Lebensjahr hatte. Ich war eher ein depressiver Teenager ohne jede Erfahrung (in jeglicher Hinsicht!) und ohne Perspektive, wohin es in meinem weiteren Leben gehen sollte.

Ich war ein braver Sohn meiner Eltern, habe nicht gesoffen, war selten aus, ständig wechselnde Liebschaften waren auch nicht zu erwarten (eher tendenziell gar keine) und die meisten Wochenenden verbrachte ich mit einer Tüte Chips – es können auch mal zwei gewesen sein – auf der Couch statt beim „Abdancen“.

Bestimmt gibt es Menschen, deren geilste Zeit im Leben mit 17 war – bei mir war es so ziemlich die schlimmste. Wobei ich das „Schlimm“ nicht nur auf das 17. Lebensjahr beziehen würde. Es waren vielleicht nicht – um beim Schlager zu bleiben – die von Karat besungenen „sieben dunklen Jahre“, aber so zwei, drei waren es schon.

Wahrscheinlich habe ich spätestens aus dieser Zeit meinen Hang zu alten Filmen und alter Musik. Da ging am Ende immer irgendwie alles gut aus. Und selbst wenn es schlecht aus ging – ich denke da besonders an den Douglas-Sirk-Film „Solange es Menschen gibt“ (aus heutiger Sicht selbst für mich zu übertrieben tränendrüsig) – blieb doch das Gefühl, dass sich das Leiden der Protagonisten gelohnt hatte, woraus ich folgerte, dass auch meine „Leiden“ sicher einmal behoben werden würden oder zumindest – sollte ich daran Zugrundegehen – alle, die mir übel mitgespielt hatten, erkennen würden, was ich doch für ein liebenswerter Kerl gewesen war, woraufhin sie den Rest ihres Lebens in tiefer Reue verbrächten.

Ja, so war ich drauf damals. Ein weiterer Grund, nicht immer 17 sein zu wollen. Ich habe mich seitdem verändert. Die Abnahme war quasi nur das Tüpfelchen auf dem „i“. Ich habe Dinge getan, die ich mir nie zugetraut hätte. Dinge, von denen ich nie geglaubt hätte, dass ich sie mich jemals trauen würde. Dinge, von denen ich auch deren bloße Möglichkeit nie in Erwägung gezogen hätte.

Wenn man mich als fünf-, sechsjähriges Kind nach meinem Berufswunsch gefragt hat, war meine Antwort immer „Sänger oder Schauspieler!“. Der oft genannte Feuerwehrmann, Astronaut oder Pilot hat mich irgendwie nie gereizt. Ich werde wohl niemals einen Konzertsaals füllen und schauspielerisch würde ich mich eher auf Trashniveau sehen, aber die Gelegenheit, mich diesbezüglich zu produzieren habe ich inzwischen ab und zu – wie z. B. bei unserem jüngst stattgefundenen Sommerfest in einer selbstgeschriebenen „Schlagerette“ (die Schlager waren natürlich nicht von mir), aus der auch das Titelbild dieses Beitrags stammt. Bewohner eines Pflegeheims sind da übrigens ein denkbar dankbares Publikum … 😉

Um den Bogen zu kriegen: Auch wenn ich nach den Maßstäben eines Siebzehnjährigen inzwischen ein alter Mann bin – und mich auch manchmal so fühle – bin ich sooo froh, nicht mehr 17 zu sein. Auch heute mache ich manchmal noch Blödsinn, aber glücklicherweise weit vom 17jährigen Blödsinn entfernt und wenn ich mir mein Leben so betrachte, bin ich derzeit an einem Punkt, wo mir es mir am Lebenswertesten überhaupt erscheint. „Verweile doch, du bist so schön!“, um Goethe zu zitieren.

Mein Leben ist bislang völlig anders verlaufen, als ich mir das mal ausgemalt hatte, aber letztendlich war das das Beste, was mir passieren konnte. Beenden will ich diesen Text darum mit einem weiteren Zitat.

Und wenn es besser wird,
Besser, als Du glaubst.
Und wenn es freier wird,
Freier sind wir auch.
Und wenn es schöner wird,
Schöner, als Du ahnst.
Und wenn es anders wird,
Anders als geplant.

„Anders als geplant“ – Rosenstolz

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende.

Euer
Holger

PS: Ich habe ja mal kurz überlegt, ob ich mich mit dem Outfit auf dem Bild nicht mal bei Florian Silbereisen bewerben sollte, aber  … 😉

Rückblicke können erschreckend sein …

Heute war es soweit! Nachdem ich es schon seit Monaten vor mir herschiebe, habe ich mich heute daran gemacht, meine alten Klamotten soweit zu sortieren, dass ich sie bei Ebay platzieren kann.

Zwar hatte ich im letzten Jahr schon einige Shirts und Hosen in Überüberübergröße eingestellt und auch zu recht ansehnlichen Preisen verkauft, aber die große Masse lagert noch immer in meinem Schlafzimmer. Das soll sich noch diesen Sommer ändern.
Also habe ich alles gesichtet, einen Teil weggeworfen und den Rest fotografiert und „vermessen“.

Dabei fiel mir wieder einmal auf, wie fett – nicht moppelig, nicht stämmig, noch nicht mal dick – ich gewesen bin. In manche Shirts könnte ich inzwischen mit etwas Mühe zweimal reinpassen. Das hat mich schon etwas erschreckt.

Man – also ich zumindest – verdrängt ja unangenehme Dinge schnell. Nicht, dass ich nicht wüsste, welche Konfektionsgröße ich getragen habe, aber solche Zelte nach vielen Monaten dann wieder vor sich zu sehen, ist schon ziemlich schockierend.

Wieder einmal musste ich mich meinen eigenen Fragen stellen:
Warum? Wie konnte ich nur so fett werden und wieso habe ich nicht schon früher die Reißleine gezogen?
Zum Glück bin ich psychisch ziemlich stabil. Ansonsten könnte ich ob der Tatsache, dass ich mir mein Leben – im wahrsten Sinn des Wortes – so lange selbst so schwer gemacht habe, glatt in Depressionen verfallen.

Auch wenn ich nur bedingt etwas davon halte – irgendwann sollte ich mich doch mal auf eine Psychiater-Couch legen, um das Rätsel zu ergründen. Wobei sich mir ja die Frage stellt: Haben alle extrem dicken Leute grob betrachtet das selbe Problem? Gibt es DEN oder DIE Auslöser fürs Fettwerden? Oder schafft sich jeder einfach seine eigene kleine persönliche Hölle?

Und falls ja, warum dauert es sooo lange, bis man darauf kommt, dass diese Hölle kein unausweichliches Schicksal ist? Fragen, auf die es vermutlich nie eine Antwort geben wird, die es aber nichtsdestotrotz wert sind, sich immer mal wieder zu stellen. Wer weiß schon, wo und wann sich der nächste Höllenschlund auftut?

Eurer
Holger

2.503

Heute mal nur eine Kurzmeldung:

Wie mir meine Lauf-App mitgeteilt hat, bin ich seit dem Beginn der Aufzeichnungen (24.07.2014) inzwischen 2.503 km gelaufen. Zu Fuß! Ohne Auto! Ich!
🙂

Vermutlich entspricht das in etwa der Strecke, die ich während der 38 Jahre vorher zu Fuß zurückgelegt habe. Was war ich doch für ein fauler Strick!

Hab eben noch mal geschaut, wohin ich gelaufen sein könnte. Zum Beispiel nach Athen (2.435 km), aber da ist man derzeit ja auf Deutschland nicht ganz so gut zu sprechen.
Oder nach Gibraltar (2.443 km) – aber so weit durch die Gegend latschen, nur wegen ein paar Affen?
Oder nach Sewastopol (2.533 km). Ok, da müsste ich jetzt noch 30 Kilometer dranhängen. Aber wer will das schon, wenn man damit rechnen muss, wahlweise von den Russen oder den Ukrainern beschossen zu werden …
Auch Tripolis (2.442 km) wäre eine Möglichkeit. Aber zugegeben, durchs Mittelmeer zu laufen ist wohl eher schwierig. Selbst Moses hat das nur beim ungleich kleineren Roten Meer geschafft.

Ich seh schon – am besten ich renne weiterhin durch Frankfurt und den Taunus. Da weiß ich wenigstens, woran ich bin … 🙂

Euer
Holger

Unterwegs auf dem Grüngürtel

Wie ich neulich schon einmal angerissen habe, war ich bereits im Mai auf dem Frankfurter Grüngürtel (Die Stadt Frankfurt schreibt lieber „GrünGürtel“ – soll wohl hip wirken …) unterwegs und zwar vom Ostend bis nach Eschersheim.

Nun wollte ich ja eigentlich meinen Weg weiter fortführen, war aber ehrlich gesagt zu faul, um erst einmal durch die halbe Stadt zu fahren. Stattdessen habe ich an meinem ersten offiziellen Urlaubstag die Strecke von der anderen Seite aufgerollt, nämlich vom Ostend bis nach Höchst. Ich versuche mich hier nun erstmals an so etwas wie einer Wanderwegbeschreibung (Ausdrücklich kein Tourenguide!). Keine Ahnung, ob ich sowas kann und ob es überhaupt jemanden interessiert, aber ich mach’s einfach … 😉

Die Wanderung beginnt am Danziger Platz. Hier gibt es nun wirklich gar nichts zu sehen, außer vielleicht einem Ableger des „Frankfurter Garten“, neudeutsch als „Urban Gardening Project“ bezeichnet.
Der Weg führt auf die Europäische Zentralbank zu und schließlich daran vorbei auf den Main zu. Während man diesen über die Deutschherrenbrücke (die vom Ostend nach Sachsenhausen führt) überquert, bietet sich rechterhand ein Blick auf die Frankfurter Skyline.

01-BlickDeutschherrenbrücke

In „Dribbdebach“ (Der Frankfurter teilt seine Stadt in „Hibbdebach“ – also „hüben vom Bach“ = nördlich des Mains – und „Dribbdebach“ – also „drüben vom Main“ = südlich des Mains – ein.) angekommen, wenden wir uns nach Osten und wandern entlang des Mains.

02-AmMainDribbdebach

Leider entzaubert der Straßenlärm, dem sich in einer Großstadt wohl nie ganz entkommen lässt, die morgendliche Stimmung. Der Geräuschpegel wird auch diesem Teil des Grüngürtels noch häufiger negativ auffallen.

Am heutigen Ausflugslokal „Gerbermühle“, in der schon dereinst Goethe mehrfach logierte, verlassen wir den Main und durchqueren den Stadtteil Oberrad, der leider – zumindest auf der Grüngürtel-Strecke – nicht gerade mit Schönheit und Idylle glänzt.
Das unten stehende Bild spricht Bände …

04-Oberrad

Nach etwa 1,5 bis 2 km lassen wir Oberrad hinter uns, befinden uns nun wieder auf Sachsenhäuser Gebiet und betreten den Frankfurter Stadtwald, ein insgesamt 5.785 Hektar großen Waldgebiet, das jedoch „nur“ zu 3.866 Hektar innerhalb der Stadtgrenzen liegt.

05-Stadtwald

Ein Zitart aus Wikipedia:

Das Kerngebiet des Frankfurter Stadtwaldes erstreckt sich über eine west-östliche Breite von etwa 15 Kilometern sowie eine nord-südliche Ausdehnung von etwa 3 Kilometern über die südlichen Gebiete der Stadtteile Schwanheim, Niederrad, Sachsenhausen und Oberrad sowie über den nördlichen Teil des Stadtteils Flughafen.

Der Stadtwald ist an einem frühen Montagmorgen nahezu menschenleer und es könnte ein Genuß sein, ihn zu durchwandern. Allerdings macht sich der nahe Flughafen negativ bemerkbar. Alle paar Minuten donnern Flugzeuge über einen hinweg und so ist es auch kein Wunder, dass – zumindest meinem Gefühl nach – die Vögel lauter singen als anderswo.

Warnrufe wegen der angeblich dem „Maunzenweiher“ namensgebenden Wildkatzen können es jedenfalls nicht sein, denn die gibt es im Stadtwald schon seit Jahrhunderten nicht mehr. Dennoch ziert das Schild des etwa zwei Hektar großen Teichs, den wir nun passieren, eine Katze.

06-MaunzenweiherSchild.jpg
07-Maunzenweiher.jpg

Die Idylle des Maunzenweihers tröstet einen über den Fluglärm hinweg. Frösche, Libellen, Enten – hier lassen sich zahlreiche Tiere beobachten, die sich offenbar mit der Dauerbeschallung arrangiert haben.

Kurioses gibt es auf dem Weg durch den Stadtwald aber auch zu sehen. So ist am Stamm einer Buche ein Objekt des Künstlers F. K. Wächter zu finden: der Monsterspecht.

09-Monsterspecht.jpg

Seit Dezember 2005 sind sieben Werke der Komischen Kunst entlang des Grüngürtel-Rundwanderweges im Frankfurter Stadtwald künstlerisch umgesetzt und dauerhaft ausgestellt. Alle Objekte entstanden in Zusammenarbeit mit dem Museum für Komische Kunst.

Unser Weg führt uns in Richtung „Oberschweinstiege“, einem bekannten Ausflugslokal. Bald wird es jedoch wieder einsam um uns herum und nur die Störenfriede am Himmel vermögen vom Vogelgezwitscher und dem Plätschern des ein oder anderen Rinnsals am Wegrand abzulenken.

12-Stoerenfriede

Wir umrunden den „Luderbach“ (auch „Königsbach“ genannt) und befinden uns bald schon auf Schwanheimer Gebiet, wo ein längerer Steil des Weges am Schwanheimer Steilhang entlang führt. Hier wurden beim Kies- und Sandabbau im 19. Jahrhundert einige Jungsteinzeitliche Werkzeuge gefunden. Entlang der sogenannten „Kelsterbacher Terrasse“ wurden auch zahlreiche Hügelgräber entdeckt.
Zu entdecken gibt es auch ein weiteres Kunstobjekt von F. K. Wächter, die Eiche mit ihren Monsterkindern.

13-Monstereicheln

Kurz danach führt uns der Weg aus dem Wald auf eine weite Fläche aus Feldern und Auen hinaus. Bis auf kurze Abschnitte haben wir nun entgültig das bewaldete Gebiet verlassen.

14-Schwanheim.jpg

Stattdessen bewegen wir uns auf eine geologische Rarität zu: die Schwanheimer Düne. Die Binnendüne, die einst zum Sandabbau genutzt wurde, ist heute ein Schutzgebiet und beherbergt viele seltene und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten, sogar aus dem Mittelmeerraum eingewanderte Pflanzen sind hier zu finden.

15-SchwanheimerDuenen

Nachdem wir die Düne verlassen haben, führt uns der Weg erneut durch Felder und Wiesen, bis wir schließlich wieder auf den Main treffen, mit einem Blick auf den jenseits des Mains liegenden Stadtteils Höchst.

16-SchwanheimerUfer

Den Main überqueren wir hier mit einer kleinen Fähre, auf der auch Fahrräder mitgenommen werden können, für den schmalen Preis von einem Euro.

17-Faehre.jpg

So landen wir schließlich in Höchst, das durch die dort beheimatete Hoechst AG weltweit bekannt wurde. Die guteraltende Höchster Altstadt steht seit 1972 unter Denkmalschutz.

18-Hoechst

Nach einem letzten kurzen Weg quer durch den Stadtteil endet unser Wanderweg am Bahnhof Höchst.

Der südliche Abschnitt des Grüngürtel-Rundweges ist sicher nicht der ruhigste. Fluglärm viele zu überquerende Straßen und Autobahnen lassen keine dauerhafte Ruhe aufkommen. Allerdings bietet die Strecke auch viele kleine Schönheiten, die selbst für eingesessenen Frankfurter oft unentdeckt bleiben.

Wem der Sinn nach mehr Ruhe und ländlicher Abgeschiedenen steht, dem sei die Strecke vom Ostend nach Eschersheim empfohlen, über die ich demnächst sicher noch einmal detailiert berichten werde.

Euer
Holger

J. P. und ich

Wenn mich irgendjemand vor zwei Jahren gefragt hätte, ob ich jemals freiwillig an einem Massenlauf teilnehmen würde, hätte ich das definitiv verneint.
Aber wie so vieles sich im Laufe der Zeit ändert, so hat sich auch meine Meinung dazu verändert und als vor einigen Monaten die Anfrage kam, ob Mitarbeiter unserer Einrichtung am J. P. Morgan Firmenlauf (Offiziell: J. P. Morgan Corporate Challenge) teilnehmen möchten, habe ich spontan zugesagt.

Eigentlich war das ja etwas voreilig. Ich hatte gerade erst mit dem Joggen angefangen und wusste nicht, ob ich eine Strecke von 5,6 km durchhalte. Jeder, der auch nur ab und an mal joggen geht, wird über eine solche Distanz lachen, aber zu einem Zeitpunkt als ich vielleicht ungefähr 3,5 km am Stück schaffte, war da durchaus noch das Risiko zu versagen.

Wenn ich jedoch eines seit dem Beginn meiner Abnahme gelernt habe, dann dass ich in der Regel viel mehr kann, als ich mir selbst zutraue. Inzwischen ist mein Selbstvertrauen in dieser Hinsicht natürlich schon größer geworden, aber ab und an bin ich da trotzdem noch etwas zögerlich.

Zehn Läufer waren in unserem Haus zusammengekommen. Davon zwei etwas älter als ich, der Rest von Anfang 20 bis Anfang 30. Wie es immer bei solchen Geschichten ist: Einige Leute springen kurz vorher – aus welchen Gründen auch immer – ab. Wir fanden aber schnell Ersatz und so ging es dann am Nachmittag des 15.06.16 von unserer Arbeitsstätte (etwa 20 km südlich Frankfurts) mit Bus und S-Bahn nach Mainhattan.

Zu diesem Zeitpunkt regnete es in Strömen und auch wenn für den frühen Abend besseres Wetter angesagt worden war, hatte ich mich damit abgefunden im Regen zu laufen, was ab einer gewissen Regenintensität nun mal ziemlich eklig ist.
Bei unserer Mutterfirma in Frankfurt angekommen, bekamen wir noch einige Informationen zum Davor und Danach und hatten auch Zeit, noch ein bißchen zu entspannen.

Ich nutzte die Zeit um mir erst mal die Brustwarzen abzukleben. Inzwischen weiß ich ganz genau, dass ich mir spätestens ab dem 4. Jogging-Kilometer den Wolf an diesen empfindlichen Stellen laufe und sorge vor.

Um kurz vor 18 Uhr marschierte die komplette Truppe (wir plus ca. 25 Läufer unserer Muttergesellschaft) los und standen kaum 15 Minuten später auf dem Goetheplatz, einem von zwei Startpunkten zum J. P. Morgan Lauf. Tatsächlich war das Wetter inzwischen umgeschlagen. Ein blauer Himmel mit ein paar einzelnen Wölkchen blickte auf uns herab und eigentlich wäre es toll gewesen, genau zu diesem Zeitpunkt loszulaufen.

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Aber der Start war erst für 19:30 Uhr anberaumt und vermutlich würden wir angesichts der Menschenmassen sogar noch wesentlich später loskommen. Also standen wir uns erst mal die Beine in den Bauch, bekamen ab und zu einen Wasserball an den Kopf (Wer um Himmels Willen lässt sich einfallen, zwei Dutzend Wasserbälle in eine wartende Menge zu werfen?) und überlegten uns genau, ob wir nun einen Schluck Wasser mehr oder weniger trinken sollten, denn der Weg zum nächsten Dixie-Klo war von Menschenmassen versperrt.

68.119 Läuferinnen und Läufer (und somit der größte Firmenlauf der Welt) sollen lt. J. P. Morgan gestartet sein. Und ich mittendrin!

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Der Startschuss fiel pünktlich um 19:30 Uhr und wir – standen. Und standen. Und standen.
Etwa zehn Minuten nach dem offiziellen Start kam langsam Bewegung in die Masse und schließlich übertrat ich die Startlinie 16 Minuten und 21 Sekunden nach dem eigentlichen Beginn.

Die ersten 200, 300 Meter konnte man allerdings nicht von joggen sprechen. Vielmehr ein mehr oder weniger schnelles gehen, bis sich die Massen etwas zerstreuten und es tatsächlich möglich war zu laufen. Und ohne Anzugeben: Obschon einer der ältesten Säcke unseres Teams, habe ich die meisten meiner Mitstreiter erst wieder nach dem Ziel gesehen.

Es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob man nun normalerweise alleine läuft oder ob um einen herum tausende von Menschen unterwegs sind; dazu kommen ja noch viele Zuschauer am Straßenrand. Fakt ist jedenfalls: Ich bin noch nie so angenehm und beschwingt gelaufen. Zwar hat es ziemlich genervt, dass viele Leute sich offenbar entschlossen hatten, aus dem Lauf einen Spaziergang zu machen und das nicht am Straßenrand, wo sie niemanden gestört hätten, sondern mittendrin.

Somit war man gezwungen, um sie herum zu laufen, was gar nicht so leicht ist, wenn man darauf achten muss, von hinten nicht auch noch überrannt zu werden. Manchmal hat mich das ordentlich ausgebremst und auch wenn es mir eigentlich nicht darum ging, eine Spitzenzeit zu laufen – so etwas wurmt einen dann schon …

50 Minuten und 34 Sekunden nach dem offiziellen Beginn war es dann für mich zu Ende. Ich passierte die Zielline – mit einer persönlichen Bestzeit von 34:13 Minuten und bekam danach erst mal das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Erst recht, als ich dann merkte, dass nur zwei Mitläufer aus meinem Team vor mir im Ziel angekommen waren.
Beide 10 und 15 Jahre jünger und jeweils geschätzte 20 kg leichter als ich. Es sei ihnen gegönnt!

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Im Nachhinein waren wir uns alle einig, dass wir im nächsten Jahr wieder dabei sein wollen. Für mich ist dieser Abend ein großer persönlicher Triumph gewesen – einfach weil ich es geschafft habe. Von fast 190 kg zum J. P. Morgan Lauf, das ist doch schon was … 🙂

Euer
Holger

Das Wandern ist des Halbaers Lust

„Meine Damen und Herren, ich bin romantisch und ich schwärme so für die Natur. Und ich gehe rasend gern spazieren, grad im Frühling, über Wald und Flur.“

„In einer Nacht im Mai“, Schlager von 1938

Ihr Lieben!

Laaaaaange habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Nicht, weil ich nichts erlebt hätte, vielmehr weil mir immer entweder Zeit oder Muse fehlte – meistens beides.
Aber nun ist mein Sommerurlaub da und ich versuche aufzuholen.

Irgendwann habe ich schon einmal geschrieben, dass mir Wandern irgendwie mehr zusagt als Joggen oder Walken. Dies scheint sich immer mehr zu verfestigen. Außnahmen gibt es, wie mein nächster Blogeintrag zeigen wird, aber in diesem bleibt es beim Wandern.

Als Kind war ich mit meinen Eltern oft im Wald unterwegs. Mein Vater meinte immer, es gäbe nichts schöneres, als durch einen stillen, einsamen Wald zu laufen. Für ein Kind gibt es – so denn nicht grade ein Reh, ein Wildschwein oder ähnliches Getier zu sehen ist – wohl nichts langweiligeres. Glücklicherweise handelte es sich dabei immer nur um Sonnntagnachmittagsspaziergänge – nach etwa einer Stunde waren sie vorbei.

Nun geht es mir wie – vermutlich – vielen Leuten: Ich möchte eigentlich nicht wie mein Vater sein. Aber in dieser Hinsicht kann ich meine Abstammung wohl nicht verleugnen.
Inzwischen ist es das schönste für mich, durch einen einsamen Wald zu wandern, nur die Vögel, das Rauschen des Windes in den Bäumen und meine eigenen Schritte zu hören.
Das mag kitschig klingen, ist es vielleicht auch, aber es liegt für mich eine unglaubliche Erdung darin.

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Mag sein, dass auch beim Walken oder Joggen der Kopf irgendwann frei wird, aber beim Wandern habe ich das quasi sofort nach dem Loslaufen. Wichtig dabei ist, dass mir dabei – im Idealfall – keine oder nur wenige Menschen über den Weg laufen. Vermutlich bin ich doch ein unverbesserlicher Eigenbrötler und der geborene Einsiedler. 😉

In Hinblick auf die Strecken schraube ich mich kontinuierlich nach oben. Begonnen habe ich – im Rückblick betrachtet – mit Spaziergängen während meiner Nabel- und Leistenbruchzeit. Da ich sonst nichts machen konnte – sowohl vor als auch nach den Operationen – bin ich eben spazieren gegangen.

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Inzwischen habe ich mir eine Trennlinie gezogen, nach der ich festlege, wo Spazierengehen aufhört und Wandern beginnt. Das mag sich leicht manisch anhören, aber da ich ja nach wie vor Kalorien zähle, spielt die Unterscheidung tatsächlich eine Rolle.
Alles unter 10 km läuft bei mir unter „Spaziergang“, alles darüber unter „Wanderung“. Letzteres ist allerdings fast nur am Wochenende möglich, dann für eine Strecke von 12 – 14 km (in etwa mein Durchschnitt) brauche ich trotz flottem Schritts zwischen zwei und zweieinhalb Stunden. Das ist Werktags zeitlich einfach nicht unterzubringen.

An einem der vielen Feiertage im Mai habe ich mir mein bisher ambitioniertestes Ziel gesetzt, nämlich einen Teil des Frankfurter Grüngürtels abzulaufen. Für alle Nicht-Frankfurter zur Erklärung: Rund um Frankfurt liegt ein etwa 65 km langer – wie Wikipedia es nennt – ringförmig um die Kernstadt von Frankfurt am Main verlaufender Freiraum. Teilweise berührt der Weg Stadtteile von Frankfurt, manchmal läuft man sogar quer durch einen solchen. Meistenteils geht der Verlauf aber durch Wälder, Wiesen und Felder.

Eigentlich wollte ich auf diesem Weg ein Teilstück von etwa 22 km zurücklegen. Nachdem ich aber hier und da abgekürzte – Orte, die ich sowieso regelmäßig bewandere, wie etwa den Lohrberg, habe ich ausgespart – und die App, mit der ich meine Laufstrecken aufzeichne, mehrfach abgestürzt war, hatte ich irgendwann den Überblick verloren, wie weit ich denn nun tatsächlich gelaufen war. Also hängte ich noch ein Stückchen dran.
Im Nachhinein kam ich auf eine Strecke von über 27 km in etwa 4,5 Stunden (Pausen nicht mitgerechnet). Da war ich doch etwas erstaunt, zumal ich gar nicht so erledigt war, wie ich das schon bei den anberaumten 22 km vermutet hätte.

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Vielleicht hört es sich nach Angeberei an, aber wenn ich so etwas über mich schreiben kann, bin ich schon ziemlich stolz auf mich. Immerhin bin ich noch vor zwei Jahren nach drei, vier Kilometern absolut fertig gewesen.
Und die Bestätigung, wie beweglich ich geworden bin, kommt manchmal sogar unverhofft. Als ich neulich bei einer Wanderung im Taunus den 34 m hohen Pferdskopfturm erklommen hatte, stand ein fremder Mann oben auf der Aussichtsplattform und meinte anerkennend: „Wow! Sie waren aber schnell oben!“

Das Überraschenste dabei ist für mich nach wie vor, dass mir die Bewegung wirklich Spaß macht. Mein Leben lang fand ich Bewegen immer eher doof – selbst als Kind. Inzwischen werd ich schon total unruhig, wenn ich mal zwei bis drei Tage nicht rausgekommen bin und Wochenenden mit Dauerregen sind nicht nur wegen des Wetters versaut, sondern viel mehr deshalb, weil definitiv nur ein kurzer Spaziergang drin ist.

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Auch wenn ich das sicher schon mehrfach geschrieben habe – ich kann mir heute nicht mehr vorstellen, wie ich mit meinem Höchstgewicht von 188,8 km überhaupt leben konnte. Eine Arbeitskollegin meint ja, ich wäre inzwischen wie ein Ex-Raucher, der ständig die Noch-Raucher verteufelt. Tatsächlich kann ich manche Leute, die ähnliche Massen herumschleppen, wie ich das all die Jahre getan habe, nicht verstehen – weil ich mich in dieser Hinsicht auch nicht verstehen kann.

Vermutlich brauche ich doch mal eine Therapie, um die Gründe meines Fettseins und das Geheimnis meines plötzlichen Durchhaltevermögens zu ergründen … 😉

So viel für den Moment! Mehr das nächste mal – dann mit meinen Erlebnissen beim J. P. Morgan Lauf.

Euer
Holger

Ich habe euch ein paar Bilder von meinen Wanderungen zwischengestreut. Diese zeigen:

Titelbild: Blick vom Feldberg (Taunus)
Bild 1: Im Wald, irgendwo im Hochtaunus
Bild 2: Auf dem Grüngürtelwanderweg – Blick vom „Berger Hang“
Bild 3: Auf dem Grüngürtelwanderweg – An der Nidda
Bild 4: Blick vom Pferdskopfturm (Taunus)